Gastbeitrag im Antifaschistischen Infoblatt (AIB) – Neonazi-Vernetzung in der Kampfsport-Szene

 

Ein Teil des KdN-Teams posierte im Juni 2017 in Frankreich für soziale Medien. V.l.n.r.: Stefan Wedekind, Vanessa Venker und Kevin Kruck, rechts daneben der Kämpfer des KdN-Teams, Kai Zimmermann, ehemals „Freies Netz Süd“. (Bild: Screenshot von facebook)

In der 116. Ausgabe (3/2017) des Antifaschistischen Infoblatts (AIB) haben wir einen Gastartikel veröffentlicht.

Neonazi-Vernetzung in der Kampfsport-Szene

Während in den 1990er Jahren konspirativ organisierte RechtsRock-Konzerte als Schwerpunkt der rechten Erlebniswelt galten, zählen heute auch eigene Kampfsportveranstaltungen zum Repertoire der Szene. Bereits Anfang der 2000er Jahre nahmen Neonazis größtenteils unkommentiert an unpolitischen bis rechts-offenen Kampfsport-Turnieren teil. Seit über fünf Jahren entwickelt sich zusätzlich eine eigene, europaweit vernetzte, extrem rechte Kampfsport-Szene. Dass der „Kampf der Nibelungen“ im Oktober 2017 mit bis zu 600 TeilnehmerInnen das bisher größte rechte Kampfsport-Event in West-Europa darstellt, ist ein Resultat dieser Vernetzung.

Die „Fight Club“-Events, die sich seit 2004 in Sachsen an Beliebtheit in der rechten Szene erfreuen, können als wegweisend für die neonazistische Beteiligung im Bereich des Profi-Kampfsports betrachtet werden [1] Im legalen Rahmen konnten dort die „Kameraden“ im Ring bejubelt werden, während man auf den Tribünen für eine Machtdemonstration sorgte. Etwa bei Kämpfen von Rico Malt und Marco Heft, damals innerhalb der Szene bekannt als Anhänger der Chemnitzer Hooligan-Gruppierung „HooNaRa“ („Hooligans Nazis Rassisten“).

Gregor Reinhardt auf einem „Fight-Club Karl Marx Stadt“-Event in Sachsen 2004. Damals noch auf seinem Oberarm tätowiert: das Konterfei von Ian Stuart Donaldson, samt einem Symbol der von ihm ins Leben gerufenen „Blood & Honour“-Bewegung (Bild: Screenshot von Facebook)

Oder bei Gregor „Maxx“ Reinhardt, der augenscheinlich mit „Blood & Honour“ (B&H) symphatisierte. Ohne Probleme konnte Reinhardt damals seinen tätowierten Oberarm im Ring präsentieren, auf dem ein Symbol der „Blood & Honour“ Bewegung und ein Bild des B&H-Gründers Ian Stuart Donaldson prangte. Das internationale Netzwerk von B&H wurde 2000 in Deutschland verboten.
Besonders weil ein Großteil der Kämpfer aus dem Hooligan-Spektrum stammte, wurden durch die Kämpfe zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Zum einen wurden rechts-offene Hooligans näher an die Neonazi-Szene gebunden, indem eine sogenannte Kampfgemeinschaft erzeugt wurde. Zum anderen erlangten die Kämpfer aus diesem Spektrum sportliche Anerkennung, die sie sonst nur im Kleinen und Verborgenen durch verabredete „Wald-und-Wiese“-Kämpfe kannten.

Neben anderen Neonazis nahm auch André Eminger, Angeklagter im NSU-Prozess, regelmäßig als Zuschauer an den „Fight Nights“ in Westsachsen teil. Hier erkennbar in der ersten Reihe 2.v.l., bei einer Veranstaltung in 2015 bei Zwickau. (Bild: Screenshot von facebook)

Bis heute bieten die „Fight Club“-Events Neonazis, Rockern und rechten Hooligans einen Raum, den sie gerne nutzen. So waren die Events in Westsachen immer wieder Anlaufpunkt für Szenegrößen wie den im NSU-Prozess Angeklagten André Eminger, der seit September 2017 wieder in Haft sitzt. Im Ring selbst bietet man Kämpfern wie Martin Krause, Anhänger der „Hammerskins“ und Martin Langner eine Bühne. Letzterer nahm 2017 in Budapest am „Gedenk- und Leistungsmarsch/Tag der Ehre“ teil, der u.a. von Aktivisten des „Blood & Honour“-Netzwerkes organisiert wurde.

Keine „Ausrutscher“ auf der Fight-Card [2] also, sondern eine wiederholte Einbindung und zum Teil eine organisatorische Mitgestaltung von und durch Neonazis. Auch die Leipziger Kampfsportveranstaltung „Imperium Fighting Championship“ (IFC) etablierte sich ab 2014 zur Anlaufstelle (rechter) Hooligans und Neonazis. Vor allem die Akzeptanz der Veranstaltung im deutschen Kampfsport ist einzigartig, bedenkt man, dass sich ein Teil des lokalen „Imperium Fight Team“ unter den Personen befand, die im Januar 2016 nach dem Angriff auf den alternativen Stadtteil Leipzig-Connewitz festgesetzt wurden. Darüber hinaus konnten auf der IFC Kampfsportteams wie das „Team Greifvogel“ in den Ring steigen. „Greifvogel Wear“ ist eines der bedeutendsten Marken innerhalb der rechten Kampfsportszene.

Ein Blick nach Brandenburg

Während sich in Sachsen eine rechtslastige Kampfsport-Szene etablieren konnte, setzten rechte KampfsportlerInnen andernorts auf konspiratives Wirken.
2009 initiierte etwa die „Widerstandsbewegung in Südbrandenburg“, auch bekannt als „Spreelichter“, die sogenannten „Nationalen Kampfsporttage“. Das Motto des Turniers – „Leben heißt Kampf“–  ist bis heute ein wichtiger Teil der völkisch-rassistischen Ideologie um die Frage der „Wehrhaftigkeit des Volkes“ und ist auf den historischen Nationalsozialismus zurückzuführen. Die „Widerstandsbewegung in Südbrandenburg“ wurden 2012 u.a. wegen „Wesensverwandschaft zum Nationalsozialismus“ vom brandenburgischen Innenminister verboten.

Vor allem zwei der damaligen Protagonisten dieses Netzwerks, Martin Muckwar und Markus Walzuck, waren ausschlaggebend für die Entwicklung der rechten Kampfsport-Szene in Brandenburg. Lokale Kampfsport-Vereine vermittelten den Neonazis dazu die nötigen Fähigkeiten sowie die personelle Anbindung an den Profi-Sport.
In diesem Zusammenhang traten spätestens ab 2012 auch Stefan Baer und Lucien Schönbach in Erscheinung. Neben ihrer Teilnahme an Seminaren und Camps offizieller Kampfsportvereine schufen sie sich parallel eine inoffizielle Kampfsport-Szene. In Lübben im Spreewald entstand so die „Northsidecrew“, ein Zusammenhang von bis zu fünfzehn Neonazis, die sich nach außen als „Boxclub Lübben“ präsentieren und in der Stadt heute eigene Trainingsräume unterhalten. Die „Nationalen Kampfsporttage“ hingegen wurden vom „Germanischen Achtkampf“ abgelöst.

Und während sich die umstrittene Mode-Marke „Label 23 – Boxing Connection“ [3] ab 2009 vor allem bei der regionalen Kampfsport- und rechten Hooliganszene anbiedert, schufen sich Neonazis aus dem Raum Cottbus Anfang 2016 eine eigene Marke namens „Black Legion“. Für den „6. Germanischen Achtkampf“ 2016 in Finowfurt stellte die Marke ein eigenes Team, in dem auch Lucien Schönbach zu finden war.

Ein anderes extrem rechtes Label buhlte allerdings schon viel früher um potentielle KäuferInnen aus dem Bereich Kampf- und Kraftsport. Die Marke  „Greifvogel Wear“ wurde 2013 von Sebastian Raack in Dresden registriert und ist seit Ende 2016 im brandenburgischen Lindenau bei Senftenberg beheimatet. Interessanterweise findet man bei „Greifvogel Wear“ viele Parallelen im Werdegang zur noch recht jungen Marke „Black Legion“. Denn während „Greifvogel Wear“ an Raacks RechtsRock-Label „OPOS-Records“ angebunden ist, findet sich Martin Seidel von „Rebel Records“ im Impressum von „Black Legion“. Den Soundtrack zum Konzept liefern zudem Bands, die einen hohen Stellenwert in der Weiterentwicklung der rechten Musikszene besitzen: „Green Arrows“ aus Italien und „Frontalkraft“ für „Black Legion“ bzw. „Terrorsphära“ als Aushängeschild von „Greifvogel Wear“. Personell ist die rechte Kampfsportszene Brandenburgs an Raacks Marke angebunden, während „Black Legion“ vor allem in der rechten Hooliganszene in Cottbus fischt.

Die Existenz beider Marken, samt ähnlicher Zielgruppe und räumlicher Nähe, muss dabei nicht unbedingt bedeuten, dass sich der Markt für rechte Kampfsport-Bekleidung gespalten hat, sondern spricht vielmehr für eine große Nachfrage in der Szene und das Bedürfnis sich eigene Identitäten im Gym und auf der Matte zu schaffen. Zudem bleiben die Einnahmen im eigenen Milieu.

Die Hochkonjunktur des Kampfsports in der rechten Szene lässt sich aber nicht nur anhand der Fülle eigener Marken erkennen, sondern am Netzwerk rechter Kampfsport-Events, die sich europaweit etabliert haben.

Vorbild Russland

Seit 2011 finden in Russland die „Duh Voina“-MMA-Turniere statt. [4] Organisiert werden diese vom Neonazi und Hooligan Denis Nikitin (Денис Никитин), der auch für die rechte Kampfsportmarke „White Rex“ verantwortlich ist. [5]
Waren anfangs nur ein Paar dutzend ZuschauerInnen auf den Events von Nikitin, so entwickelte sich die „Duh Voina“-Reihe zum professionellen Kampfsport-Event mit bis zu 1.000 ZuschauerInnen. Parallel zu den Turnieren in Russland ist Nikitin mit „White Rex“ auch Schlüsselfigur für die rechte Kampfsport-Szene in Westeuropa. Auf dem von der faschistischen Partei „Casa Pound“ 2013 organisierten Festival „Tana Delle Tigri“, trat er zum ersten Mal außerhalb Russlands als Mitveranstalter in Erscheinung. Zwar gab es im Rahmen des Festivals bereits vorher Kampfsport-Turniere, doch mit „White Rex“ und dessen Erfolg in Osteuropa stieg das Interesse an der Veranstaltung in Rom.

In Deutschland stieß Nikitin, der fließend deutsch spricht, u.a. auf das Interesse von Daniel Weigl aus Bayern. Er war einer der Kader des mittlerweile verbotenen „Freien Netz Süd“ und war im Juni 2016 Geschäftsführer der HI PROM Fashion UG, die für die Kampfsportmarke „Walhall Athletik“ verantwortlich ist. 2012 begleitete Weigl eine Reisegruppe deutscher Neonazis zu einem der „Duh Voina“-Turniere nach Russland.

Die Reise könnte dabei die Initialzündung für das deutsche Kampfsport-Event „Ring der Nibelungen“, bzw. „Kampf der Nibelungen“ gewesen sein. Denn ein halbes Jahr später trat Timo Kersting aus Dortmund für das „Walhall Athletik Fight Team Germany“ bei einem „Duh Voina“-Turnier in Russland an, begleitet von Andreas Kolb– damals noch Beisitzer im Bundesvorstand der „Jungen Nationaldemokraten“ –, der wie Weigl aus der süddeutschen Kameradschaftsszene stammt. Im Mai 2013 nahm auch Kolb als Kämpfer von „Walhall Athletik“ an einem „Duh Voina“-Turnier teil, allerdings in Rom, gemeinsam mit Timo Kersting.

Ende Oktober 2013 trat Kersting abermals in Russland in den Ring, jedoch als Kämpfer des „Boxclub Dortmund“. Nur wenige Wochen vor diesem Kampf fand in Deutschland erstmals der „Ring der Nibelungen“ in der FunSport-Arena in Vettelschoß, nördlich von Koblenz, statt. Ein „Boxclub aus Dortmund“ war es auch, der 2014 die FunSport-Arena in Vettelschoß anmietete, um dort den zweiten „Ring der Nibelungen“ auszutragen.

„Hammerskins“ und Lindenblätter

Der erste „Ring der Nibelungen“ wurde hauptsächlich intern beworben und demnach von einem exklusiven Publikum besucht. Um die 100 ZuschauerInnen verfolgten in der von „Hammerskins“ um Malte Redeker organisierten Halle Kämpfe von Neonazis wie Paul Breuer aus Köln. [6] Auch Andreas Kolb war vor Ort, wie auch Denis Nikitin, der aber nur als Begleitung eines seiner Kämpfer auftrat.

2014 erfuhr die rechte Kampfsport-Szene einen Aufwind. Nachdem im April in Ungarn das dritte „Akarat Diadala– Triumph of the will“-Turnier stattfand, und sich im Mai in Rom unter Beteiligung von „White Rex“ abermals Neonazis aus ganz Europa zu einem Turnier zusammenfinden konnten, zogen erstmals auch französische Neonazis mit einem eigenen Event nach. So organisierte der dortige „Blood & Honour“-Ableger unter Regie von Tomasz Skatulsky den „Day of Glory“ in Lyon. Skatulskys Kampfsport-Marke „Pride France“ und Nikitins „White Rex“ bewarben das Event als „größtes pan-europäisches MMA-Turnier“. Auch in Griechenland formierten sich Neonazis zum „Pro Patria Fight Club“, der 2014 auch erstmals eine eigene Veranstaltung auf die Beine stellte.

In Deutschland traf sich die rechte Kampfsport-Szene im Oktober des gleichen Jahres abermals in Vettelschoß. Malte Redeker galt auch diesmal als Drahtzieher. Der verstorbene „Hammerskin“ und V-Mann Roland Sokol hatte Redeker geholfen Kämpfer zu finden. Dabei stand Sokol auch mit dem Hamburger MMA-Kämpfer und Neonazi Frank Kortz in Kontakt. [7] Dieser hatte Sokol mitgeteilt, dass er sich bereits bei „Malte aus LU“ angemeldet hatte– gemeint ist wohl Malte Redeker aus Ludwigshafen, der an dem Abend auch als Ringrichter fungierte. Ob Kortz tatsächlich kämpfte, ist nicht bestätigt, dafür aber der Kampf des Ungarn Suhajda „Starec“ Zoltán, der für „Pride France“ in den Ring stieg.

Die ersten Früchte einer europaweiten Vernetzung rechter KampfsportlerInnen

Die Umbenennung des „Ring der Nibelungen“ in „Kampf der Nibelungen“ (KdN) 2015 kann als Signal an die rechte Kampfsport-Szene gewertet werden, dass man nun bereit ist, als professionelles Event zu bestehen. Tatsächlich war der KdN im Zugzwang, denn in anderen Ländern hatte sich diese Events bereits erfolgreich etabliert und zogen, wie in Frankreich, bis zu 200 Neonazis an. Nach eigenen Angaben diente eine Lagerhalle in der Nähe von Dortmund als Austragungsort und konnte durch die tatkräftige Unterstützung von „White Rex“, „Pride France“ und „Greifvogel Wear“ nicht nur eine große Anzahl von ZuschauerInnen anlocken, sondern vor allem Kämpfer aus dem gesamten Bundesgebiet wie auch aus dem europäischen Ausland.

Der ehemalige „NW Dortmund“-Aktivist Christoph Drewer als Kämpfer beim „Kampf der Nibelungen“ 2016. (Bild: Screenshot von YouTube)

Nennenswerte Kämpfer aus der deutschen Szene waren Christoph Drewer – stellvertretender Vorsitzender der Partei „Die Rechte“ und langjähriger Aktivist aus den Reihen des mittlerweile verbotenen „NW Dortmund“ –, und Lucien Schönbach, sowie Stefan Baer, die für das „Greifvogel Team“ antraten. Schönbach kämpfte auch schon auf dem „Day of Glory“ im Juni 2015 in Frankreich. Ringrichter des KdN 2015 war abermals Malte Redeker, während „White Rex“-Promoter Denis Nikitin als Ringsprecher fungierte.

In ähnlicher Konstellation fand der KdN 2016 statt, diesmal in einer Mehrzweckhalle im hessischen Gemünden (Felda).

Sebastian Dahl, Anwärter der Neonazi-Bruderschaft „Turonen/Garde 20“, beim „Kampf der Nibelungen“ 2016 in Gemünden. (Bild: Screenshot YouTube)

Neben den genannten Personen beim KdN 2015, trat 2016 auch der ehemals in Berlin lebende Neonazi-Aktivist Sebastian Dahl als Kämpfer an. Er wird aktuell der Thüringer Neonazi-Bruderschaft „Turonen/Garde 20“ zugerechnet, die für die Organisation des „Rock gegen Überfremdung“ 2017 in Themar verantwortlich waren. Eine Einbindung jüngerer Neonazis war am Kampf von Tom N. ersichtlich. Er gilt als Zögling der Dortmunder Neonazi-Szene und trainierte u.a. mit Timo Kersting in der „Arena Dortmund“. Neu war am KdN in diesem Jahr die Beteiligung von Kämpferinnen wie Julia Thomä aus Mecklenburg-Vorpommern. Thomä ist als umtriebige Aktivistin aus den Reihen der „Jungen Nationaldemokraten“ bekannt und nahm schon am ersten „Ring der Nibelungen“ als Zuschauerin teil. Nikitin war 2016 auch wieder mit eigenem Team vertreten. Als Trainer fungierte dabei der bekannte Moskauer Hooligan Alexander Kobanov. In den Wochen rund um den KdN hielt er sich mit Nikitin in Köln auf, wo letzterer beste Kontakte zu den „Hooligans Köln“ unterhält. Laut Insiderberichten soll Nikitin für die Kölner sogar selbst „auf dem Acker“ gestanden haben. [8]

Ausblick

Für dieses Jahr muss im Rahmen des KdN mit mehreren hundert ZuschauerInnen gerechnet werden. Das Event ist ausverkauft und allein das Netzwerk, welches mit der Durchführung des Events betraut ist, dürfte mehrere dutzend Personen umfassen. Inbegriffen sind dabei die Sponsoren „Pride France“, „Black Legion“, „Greifvogel Wear“, „Sport Frei“ und erstmals die Marke „Vikings Division“. Der KdN selbst ist seit 2015 ebenfalls eine registrierte Marke, angemeldet von einem Anwalt aus Bottrop. Seit Sommer 2017 ist der dazugehörige Online-Shop auf Alexander Deptolla eingetragen. Er ist nicht nur eine Führungsperson der rechten Szene in Dortmund, sondern ist auch eng an die „Hammerskins“ – insbesondere Malte Redeker– angebunden. Gemeinsam mit Redeker und u.a. dem „Hammerskin“ und Kampfsportler Wolfgang Erwin B. war er Teil einer Reisegruppe, die auf Mallorca für Schlagzeilen sorgte, da sie auf einer Sauftour eine Reichskriegsflagge entrollten.

Zeitgleich zur Mallorca-Reise nahm ein anderer Teil der deutschen Neonazi-Szene am 10. Juni 2017 am Kampfsport-Event „Force & Honeur“ südlich von Genf teil, welches von den „Hammerskins“ und „Pride France“ organisiert wurde. Der KdN – u.a. vertreten durch Vanessa V. und Kevin K. aus Dortmund– hatte dort erstmals einen eigenen Kämpfer in den Ring geschickt, während Stefan Wedekind den Stand von „Greifvogel Wear“ betreute. Wedekind ist Sänger der NS-Hardcore-Band „Painful Life“ aus Sachsen Anhalt. Das Highlight war jedoch der Auftritt russischer Neonazis, die ihr Trainingsprogramm „PPDM-Father Frost Mode“ vorstellten. Ein deutsches Pendant zu „PPDM“ kann übrigens bei „Wardon 21“ gefunden werden, die auf dem „Force & Honeur“ zum ersten Mal öffentlich auftraten. Kernthema der selektiven Gruppe ist ein orthodoxer Gesundheitswahn und Körperkult, angelehnt an den historischen Nationalsozialismus. Die Gruppe, der auch Manuel Eder – Musiker der NS-Hardcoreband „Terrorsphära“– angehören soll, versteht sich als „NS-Straight Edge“ und Elite, die auch mit Fingerzeig auf die eigene Szene agieren will.

Inwiefern dies mit dem Saufgelage der „Hammerskins“ auf Mallorca – d.h. dem „anderen Teil“ des KdN-Teams – vereinbar ist, wird sich sicherlich in naher Zukunft zeigen. Auch ob das kürzlich für 2018 in „Mitteldeutschland“ angekündigte Neonazi-Kampfsportturnier „Tiwaz“ mit der etwa zeitgleichen Gründung von „Wardon 21“ einhergeht und damit dem KdN das Monopol streitig macht oder ob die rechte Kampfsportszene eine Notwendigkeit in der Erweiterung des Marktes sieht, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass die Vormachtstellung im Bereich rechter Kampfsportveranstaltungen auch nicht zu unterschätzende finanzielle Erträge bedeutet. Eine Karte für das Event kostete bereits beim ersten „Ring der Nibelungen“ zwischen 20 und 25 Euro.

Größtes Event dieser Art in Westeuropa

Der in der Neonazi-Szene lang ersehnte und spektren-übergreifend beworbene „Kampf der Nibelungen“ 2017, fand am 14. Oktober 2017 in einer Schützenhalle statt. Entgegen der Einschätzung, dass das Event wie in den letzten Jahren in Hessen stattfinden würde, versammelten sich an besagtem Tag bis zu 600 Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet, wie auch aus dem europäischen Ausland in Kirchhundem im Sauerland. Die Halle hatte eine „seriös wirkende Privatperson aus Dortmund“ bereits im Mai 2017 angemietet, so der Vorstand des Schützenvereins.

Auf der Veranstaltung, dessen Austragungsort auch den Behörden erst am Nachmittag des Events selbst bekannt wurde, waren neben Denis Nikitin und Alexander Kobanov aus Russland auch VertreterInnen aus Frankreich, wie Tomasz Skatulsky samt einer Kämpferin, anwesend. Unter dem Motto „Kein Sieger glaubt an Zufall“ stand u.a. Sebastian Dahl im Ring, der bereits im letzten Jahr als Kämpfer beim KdN teilnahm. Auf Bildern in den sozialen Netzwerken sind ebenfalls Mitglieder von „Wardon 21“ zu erkennen. Eines der offiziellen T-Shirts des KdN wurde in Zusammenarbeit mit dieser noch recht jungen Gruppe entworfen. Es zeigt den Schriftzug „Str8 Edge – Gesunder Geist Gesunder Körper“ und verweist damit auf die Kernaussage von „Wardon 21“, die Versatzstücke der Straight-Edge-Subkultur mit Thesen des historischen Nationalsozialismus verbindet.

Nicht unerwartet war auch die Teilnahme von Malte Redeker, der wie in den Jahren zuvor als Ringrichter fungierte. Die „Hammerskins“ scheinen somit ihren Einfluss auf die Struktur des „Kampf der Nibelungen“ bewahrt zu haben.

Aktuelle Entwicklungen zur extreme rechten Kampfsportszene findet ihr auf runtervondermatte.noblogs.org

 

1. Vgl. AIB Nr. 68 „Fight Club Sachsen“

2. Eine Fight Card ist eine Zusammenstellung der Kämpfer_innen eines Events

3. Vgl. AIB Nr. 96 „Leben heißt Kampf“ 

4. „Duh Voina“ ist russisch und bedeutet übersetzt „Geist des Kriegers“

5. Vgl. AIB Nr. 99 „Kampfsport, Kohle, Kriegsverbrecher“

6. Paul Breuer trat immer wieder als Anmelder von Aufmärschen in Erscheinung und war u.a. im „Kampfbund Deutscher Sozialisten“ organisiert.

7. Vgl. AIB Nr. 110 „Neonazis im Hamburger Rotlichtmilieu“

8. Vgl. vice.com: „Neonazis und illegale Kämpfe: Wie sich deutsche und russische Hooligans vernetzen“ von Robert Claus, 4. Oktober 2017.