Label 23 – Boxing Connection

Logo von "Label 23"Kurz und Knapp

„Label 23“ wurde 2009 in Cottbus gegründet und entstammt der Marke „Boxing Connection“. Der ehemalige Inhaber der Marke „Boxing Connection“ ist ein bekannter Neonazi, Hooligan und Kampfsportler aus Cottbus. Bis heute bestehen Kontakte zwischen der Marke und der rechten Fußballszene. Zudem modelten 2016 russische Neonazis für „Label 23“.
Die Marke spricht mit ihrer sportlichen Streetwear-Bekleidung vor allem die Kampfsport-Szene, durch ihre gewaltverherrlichende Ästhetik aber auch Personen aus dem rechten Ultra- und Hooligan-Milieu an. Die auf den Klamotten verwendeten Schriftzüge – in deutscher und englischer Sprache – sind dabei häufig doppeldeutig, im Design allerdings unverfänglich. Dadurch konnte sich die Marke weit über die rechte Szene hinaus im Mainstream verbreiten.

Werdegang

„Label 23“ entstand 2009 aus der Marke „Boxing Connection“. Diese gründete Markus Walzuck 2004 gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Toni Lempke. Walzuck war bis 2012 Inhaber von „Boxing Connection“. Heute firmieren beide Marken unter dem Namen „Label 23 – Boxing Connection“. Markeninhaber ist seit 2017 der Cottbusser Jan Klatte.

Motive und Designs

Die beiden Marken „Label 23“ und „Boxing Connection“ stehen in direktem Zusammenhang. Der Zahlencode für 23 steht für BC, Boxing Connection, worauf sie auch in ihrem Selbstverständnis hinweisen. Ein weiteres Element im Logo ist der Ehrenkranz.
Mit ihren zweideutigen und oft unverfänglichen Designs vermischen sie Elemente des Kampfsports mit Ästhetiken der Hooliganszene und konnten sich dadurch auch als Streetwear-Marke etablieren.
Inhalte wie Sieg, Ehre, Härte und Gewaltbereitschaft, in Zusammenhang mit Motiven aus dem Bereich Kampfsport, knüpfen an moderne und beliebte Modemotive an.
Vor allem sind großfächige Schriften und Wörter auf den Klamotten abgebildet.
Mit dem Hintergrundwissen über das rechte Milieu, aus dem „Boxing Connection“ stammt, lassen Schriftzüge „Label Nation“, „Fight back or fuck you“ ( dt. „Schlag zurück oder fick dich“), „Invictus“ ( dt. „unbezwungen“ bzw. „Unbezwingbar“) oder Darstellungen wie das „Eiserne Kreuz“, viele Möglichkeiten zur Deutung zu.
Trainingsjack von "Label 23"; Motiv: "Invictus"Kapuzenjacke von "Label 23"; Motiv: "Eisernes Kreuz"
T-Shirt von "Label 23"; Motiv: "Observieren"T-Shirt von "Label 23"; Motiv: "Unbreakable Brotherhood"

Mit den Motiven „Unbreakable Brotherhood“ (dt. „unzerbrechliche Bruderschaft“), „Ihr könnt uns observieren aber nicht abservieren“ oder „Ideale besiegen Geld“ wird ebenso außerhalb des Sport- und Fitness-Bereichs nach potentiellen Käufer_innen gesucht. Diese lassen sich bei solch einem zweideutigen Motiv-Angebot größtenteils in der rechten Szene – im Stadion wie auch auf Aufmärschen – finden.

In ihrer Selbstbeschreibung versuchen die Verantwortlichen sich individuell auf den Sportler zu berufen, formulieren aber auch doppeldeutige Sätze wie diesen: „Finde deinen eigenen Weg. Aber vergiss nie, wo du herkommst, wer zu deiner Entwicklung beigetragen hat und wer zu dir steht!“
Damit knüpft die Marke nicht nur an Motive von „Herkunft“ und „Identität“ an, sondern greift auf ein „Wir-gegen-Die“-Schema zurück.

Anbindung an die Neonazi-Szene

Personell entstammt die Marke der Neonazi-Szene und den rechten Ultra- und Hooligan-Zusammenhängen in Cottbus. So ist Markus Walzuck, der ehemalige Markeninhaber von „Boxing Connection“, der 2011 im „World Kickboxing Network“ einen Titel gewann und bis 2012 im „Kickboxteam Cottbus 09“ trainierte, seit Jahren in der organisierten Neonazi-Szene in Cottbus und Umland aktiv. Er gehörte auch zur Gründungsgeneration der neonazistischen Ultragruppe „Inferno Cottbus 99“ und ist als Neonazi-Hooligan bekannt. Weil er mit anderen auf einer Fahrt nach Mallorca volksverhetzende T-Shirts, so genannte „Hitler-Gedenkshirts“, trug, wurde er vor dem Amtsgericht Dresden 2012 verurteilt. Bereits 2011 durfte er auf einer Vereinsfahrt wegen seiner Neonazi-Aktivitäten nicht nach Israel einreisen.

Markus Walzuck
Markus Walzuck

Auch im Rahmen des Verbotes der Neonazi-Gruppierung „Spreelichter“ wurde gegen Walzuck ermittelt. In diesem Zusammenhang wurde auch seine Wohnung durchsucht. Bereits 2009 organisierten die „Spreelichter“ „nationale Kampfturniere“ unter dem Motto „Leben heißt Kampf“.
Im Februar 2013 stach Walzuck ein Mitglied des „Hells Angels MC“ in Cottbus an und wurde zu einer Haftstrafe verurteilt. Seit 2016 soll er wieder aktiv in der Neonazi-Szene in Brandenburg involviert sein.

Toni Lempke wiederum, der bis 2012 ebenso Inhaber der Marke „Label 23“ war, betrieb auch das Szene-Geschäft „Blickfang Store“ in der Cottbuser Innenstadt. Dort werden bis heute – durch einen anderen Betreiber – hauptsächlich Klamotten von „Label 23“ vertrieben, aber auch andere rechte Marken wie „Pro Violence“ oder „Tacheles Clothing“, eine Marke aus dem rechten Fußball- und Neonazi-Milieu von Chemnitz.

Innenansicht des "Blickfangstore" in Cottbus
„Blickfang Store“ in Cottbus

Darüber hinaus sind im „Blickfang Store“, der auch als regionales Aushängeschild von „Label 23“ fungiert, Wandbilder und Schilder zu finden, die sich auf die neonazistische, im Frühjahr 2017 aufgelöste, Ultra-Gruppe „Inferno Cottbus 99“ beziehen.

„Label 23“ selbst bezog sich 2016 ebenfalls auf das rechte Hooligan-und Ultramilieu in Cottbus. So stellte die Marke am 19. November 2016 ein Bild online, dass einen mit „Label 23“-bekleideten Mob auf einer Wiese zeigt, kommentiert mit den Worten „Sport frei und eines schönes Wochenende“. Es ist unschwer zu erkennen, dass das Bild eine Szene aus einem verabredeten Hooligan-Kampf darstellen soll. Am besagten Wochenende fand in Cottbus das Hochrisikospiel des FC Energie Cottbus gegen den SV Babelsberg 03 statt, für das die Neonazi-Ultras aus Cottbus im Vorfeld mächtig Werbung machten und im Umfeld des Stadions neonazistische und antisemitische Graffitis wie „Juden Babelsberg“ sprühten.

Auch innerhalb der Vermarktung und Werbung greift „Label 23“ auf die Neonazi-Szene zurück. Im September 2016 erschienen auf der Webseite von „Label 23“ Fotos zum anstehenden „Summer-Sale“. Als Models waren mehrere russische Neonazis zu sehen, die für die Präsentation und Vermarktung des Trainingsprogramms „PPDM – Father Frost Mode“ verantwortlich sind. Diese hatten im Juli 2016 ein Paket von „ihren Freunden von Label 23 aus Deutschland“ erhalten und versprachen auf ihrer Webpräsenz, dass eine Fotosession folgen wird.
Einschlägige Tattoos – Hakenkreuze, „Ku-Klux-Klan“-Symbole und die „Schwarze Sonne“ – wurden in der Bildbearbeitung größtenteils retuschiert. Da die russischen Neonazis nicht dafür bekannt sind, ihre einschlägigen Tattoos zu verbergen, muss davon ausgegangen werden, dass die Grafikabteilung von „Label 23“ bewusst diese Symbole aus den Fotos entfernte – heißt, sie wussten um deren Bedeutung und um den extrem rechten Background ihrer Models.

Russische Neonazis als Model für "Label 23" mit Schwarzer Sonne als Tattoo
Neonazis von „PPDM“ als Models für „Label 23“
Russische Neonazis von "PPDDM - Father Frost Mode" als Model für "Label 23"
Roman Kvasha (rechts) u.a. als Model für „Label 23“

Sponsoring

„Label 23“ bietet sich zwar der Kampfsport-Szene an, sponsert bislang aber keine eigenen Teams oder Kämpfer_innen. Vielmehr schmückt sich die Marke mit bekannten Personen aus dem Kampfsport, die ihrerseits die Marke tragen und sie auf Fotos im Internet präsentieren.
Durch die enorme Kontroverse um den Hintergrund der Marke entschieden sich bisher einige Streetwear-Läden die Marke aus dem Sortiment zu nehmen. Auch in einigen Fußballstadien ist das Tragen der Marke untersagt.


Weitere Informationen:

»Leben heißt Kampf« – Die Cottbuser Marke »Label 23«; Antifaschistisches Infoblatt 3/2012
https://www.antifainfoblatt.de/artikel/%C2%BBleben-hei%C3%9Ft-kampf%C2%AB-die-cottbuser-marke-%C2%BBlabel-23%C2%AB

Label 23: Kündigung in Berlin & Rückzug in Cottbus; antifa-berlin.info 9. März 2013
https://www.antifa-berlin.info/news/206-label-23%3A-kndigung-in-berlin-rckzug-in-cottbus


Der Kampfsportler John Kallenbach posiert in Kleidung von „Label 23“
Der Kampfsportler John Kallenbach posiert in Kleidung von „Label 23“
Die Grafikabteilung von „Label 23“ retuschierte bewusst die Tattoos der russischen Neonazis, um Hakenkreuze u.ä. zu verbergen
Die Grafikabteilung von „Label 23“ retuschierte bewusst die Tattoos der russischen Neonazis, um Hakenkreuze u.ä. zu verbergen
Die russischen Neonazis erhalten ein Promo-Paket mit Klamotten von „Label 23“ und grüßen ihre Freunde aus Deutschland
Die russischen Neonazis erhalten ein Promo-Paket mit Klamotten von „Label 23“ und grüßen ihre Freunde aus Deutschland
„Label 23“ nimmt auf ihrer Seite Bezug auf das Spiel zwischen den Männerteams des SV Babelsberg 03 und dem FC Energie Cottbus
„Label 23“ nimmt auf ihrer Seite Bezug auf das Spiel zwischen den Männerteams des SV Babelsberg 03 und dem FC Energie Cottbus